Zum Inhalt springen

Der Patch kommt fast immer zu spät.

Sechs Schwachstellen, aus denen in den vergangenen Jahren echte Vorfälle wurden, auf eine Skala gelegt: die Zeit zwischen dem Beginn der Ausnutzung und dem Tag, an dem jemand ein Advisory dazu veröffentlichte. Bei vier von sechs ist diese Differenz negativ.

4/6

vor Veröffentlichung ausgenutzt.

Das Ausnutzungsfenster

Die gestrichelte Linie ist der Tag, an dem der Hersteller sein Advisory veröffentlichte. Alles links davon wurde bereits ausgenutzt, bevor die Schwachstelle auf dem Papier existierte. Keine noch so straffe Patch-Richtlinie schließt ein Fenster, das sich öffnete, bevor jemand davon wusste.

Deshalb ist Patchen notwendig, aber nicht hinreichend. Die Lücke schließt, wer weiß, was er am Internet hat, und wer jemanden mit dem Blick eines Angreifers darauf schauen lässt, bevor es ein Angreifer tut.

Von der Klasse zum Vorfall

Keiner dieser Vorfälle beruht auf einer neuen Art von Fehler. Es sind die Schwachstellenklassen, die diese Wissensdatenbank erklärt, gefunden in Software, die tausende Organisationen betreiben. Wer die Klasse versteht, erkennt den nächsten Fall, bevor er einen Namen hat.

Die sechs Fälle

Wer dahintersteckt

Angreifer sind keine anonyme Masse. Es sind organisierte Gruppen mit einem Geschäftsmodell oder einem Auftrag und mit einer wiedererkennbaren Art hereinzukommen. Diese sechs prägen einen großen Teil des Bildes.

Cl0p

Erpressung

Erpressung in großem Maßstab, ohne Verschlüsselung

Cl0p kauft keinen Zugang, sondern sucht selbst nach unbekannten Schwachstellen in Software für Dateiaustausch und setzt sie dann in einer Welle bei hunderten Organisationen gleichzeitig ein. Nacheinander Accellion FTA, GoAnywhere MFT, MOVEit Transfer und Cleo. Verschlüsselt wird nichts: Die Daten werden gestohlen, und ihre Veröffentlichung ist das Druckmittel.

auch bekannt alsTA505, FIN11, Lace Tempest

ZugeschriebenCVE-2023-34362

LockBit

Erpressung

Ransomware als Dienstleistung

LockBit liefert die Schadsoftware und die Erpressungsplattform; einzelne Affiliates erledigen den Einbruch und teilen den Erlös. Diese Affiliates sind beim Zugang selten kreativ: Sie nutzen ungepatchte Randgeräte und gestohlene Zugangsdaten. Bei Citrix Bleed waren sie die Partei, die erbeutete Session-Tokens in Vorfälle verwandelte.

auch bekannt alsBitwise Spider

ZugeschriebenCVE-2023-4966

Akira

Erpressung

Ransomware über das VPN

Akira ist seit 2023 aktiv und kommt fast immer auf demselben Weg herein: über VPN-Zugänge ohne zweiten Faktor. Kein Zero-Day, kein Phishing, einfach ein gültiges Passwort an einem Portal, das nach nichts anderem fragt. Damit ist die Gruppe ein guter Gradmesser dafür, wie solide Ihre Zugangsverwaltung tatsächlich ist.

auch bekannt alsStorm-1567

Scattered Spider

Zugang

Social Engineering am Service Desk

Scattered Spider braucht keine Schwachstelle. Die Gruppe ruft den Service Desk an, gibt sich als Mitarbeiter aus und lässt ein Passwort oder ein MFA-Token zurücksetzen. Dazu kommen SIM-Swapping und das Zermürben von Nutzern mit endlosen MFA-Anfragen. Technik hält das nicht auf, klare Verfahren und eine härtere Identitätsprüfung schon.

auch bekannt alsUNC3944, Octo Tempest, 0ktapus

Volt Typhoon

staatlich

Staatliche Vorbereitung in kritischen Sektoren

Westliche Dienste ordnen Volt Typhoon China zu, und die Gruppe fällt durch das auf, was sie nicht tut: keine Schadsoftware, keine Ransomware, keine sichtbare Beute. Sie kommt über Randgeräte herein und arbeitet danach mit den Verwaltungswerkzeugen, die ohnehin vorhanden sind, um jahrelang in kritischer Infrastruktur zu bleiben.

auch bekannt alsVanguard Panda, BRONZE SILHOUETTE

Sandworm

staatlich

Destruktive staatliche Operationen

Sandworm wird dem russischen Militärgeheimdienst zugeschrieben und steht hinter einer Reihe destruktiver Angriffe, von NotPetya bis zu wiederholten Angriffen auf das ukrainische Stromnetz. Das Ziel ist kein Geld, sondern Ausfall, was die Gruppe zu einer anderen Art von Risiko macht als eine Erpresserbande.

auch bekannt alsAPT44, Seashell Blizzard

Zum Suchen / drücken · Esc